Giftige Pflanzen mit denen du in Deutschland rechnen musst

Durch die aktuelle Ausgabe des Podcasts der Cachefrequenz hörte ich zum ersten Mal etwas von der Pflanze Bärenklau. Das ist nicht weiter verwunderlich da meine Pfadfinderzeit schon ein paar Tage zurück liegt und ich gerade noch so einen Löwenzahn von einem Gänseblümchen unterscheiden kann

Dies zum Anlass nehmend habe ich mich ausgiebig mit Tante Google unterhalten und war sehr erstaunt was in unseren Wäldern, Wiesen und Städten wächst und gedeiht. Ich möchte jetzt nicht zurück bis zur Brennnessel gehen die wohl jeder Geocacher sofort erkennt und wenn nicht… die nächste Brennnessel erkennst du bestimmt   Auch auf Tollkirsche, Eibe, Engelstrompete oder Hortensie (wird als billiger Marihuana-Ersatz geraucht; allerdings enthalten Hortensien hochgiftige Blausäureverbindungen und sollten besser im Garten oder auf dem Balkon bleiben) möchte ich nicht eingehen. Diese Pflanzen sind zwar sehr giftig, der Mensch muss sie aber essen; eine unbewusste Berührung bleibt ohne Folgen.

Interessant – nicht nur für uns Geocacher – sind Riesenbärenklau, Jakobskreuzkraut, Beifuß-Ambrosie, Herbstzeitlose und Blauer Eisenhut.

Der Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) ist aus dem Kaukasus nach Deutschland gekommen. Das für Mensch und Tier Gefährliche an der Pflanze sind die Furanocumarine. Diese Furanocumarine sind die Abwehrstoffe der Pflanze und somit der natürliche Schutz.

Die eigentliche Berührung mit der Pflanze ist noch nicht problematisch. Bei der Berührung gelangen jedoch Furanocumarine von Blüte, Stängel oder Wurzel auf die Haut und diese reagieren mit dem Sonnenlicht (auch noch mehrere Tage später möglich). Es entstehen Reizungen auf der Haut die sogar eine Verbrennung 2.Grades verursachen kann (Photodermatitis); auch Fieber und/oder Kreislaufschock sind möglich. Wer sich an heissen Tagen „längere Zeit“ in der nähe des Riesenbärenklaus aufhält kann die Furanocumarine einatmen. Hierbei ist von Atemnot bis zur akuten Bronchitis alles möglich.

Besonders für Kinder ist der Riesenbärenklau gefährlich, da sie die Stängel gerne als Schwert oder Blasrohr verwenden.

Die kleineren Bärenklau-Arten wie der Wiesen-Bärenklau oder Berg-Bärenklau sind häufig an Wegrändern und begrünten Verkehrsinseln anzutreffen und können bei Berührung ebenfalls eine Photodermatitis auslösen. Die Giftigkeit der „Kleinen“ ist jedoch deutlich geringer als beim Riesenbärenklau.

Bei der Recherche habe ich entdeckt, dass ich in meinem Garten den Wiesen-Bärenklau habe den ich bisher per Hand ausgerissen habe. Ich habe Glück, denn der junge Wiesen-Bärenklau soll ungiftig sein und als Wildgemüse gekocht werden können. Junge Stängel sollen geschält als Kompott oder roh gegessen werden können. Allerdings könnte es sich auch um eine völlig unspektakulare Hundspetersilie handeln 

Hier ein kleines Video des Selbstversuches eines Tierarztes: zum Video

Jakobskreuzkraut (auch Greiskraut genannt) wächst bei uns überwiegend an Feldrändern, Wiesen und nicht genutzten Rasen- und Ackerflächen. Alle Teile der Pflanze sind durch ihre Pyrrolizidinalkaloide (Alkaloid das die Pflanze vor dem Biss von Mensch und Tier schützen soll) leberschädigend. In der Blüte befindet sich bis zu 2x mehr leberschädigendes Gift als im Kraut. Die Alkaloide bleiben auch wirksam wenn die Pflanze vertrocknet (z.B. im Heu). Als Heu verliert das Jakobskreuzkraut den bitteren Geschmack und wird vom Vieh gefressen. Speziell bei Pferden und Rindern wird die Leber über Jahre hinweg dauerhaft geschädigt und kann zum Tod führen. Pyrrolizidine werden nicht abgebaut sondern reichern sich an. Demzufolge gelangen sie über heufressende Tiere, Milch, Tee und Honig auch in den menschlichen Nahrungskreislauf. Wer die Pflanze berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

Beifuss-Ambrosie (auch Ambrosia oder Traubenkraut genannt) wurde aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt und wächst gerne an Strassenrändern, Bahndämmen, Kiesgruben,  Erddeponien, Schutthalden und in heimischen Gärten unter Vogelfutterplätzen. Da sich die Pflanze ausschliesslich über Samen verbreitet, soll eine Pflanze bis zu 1 Milliarde Pollen produzieren können. Die Pollen können bereits in geringer Konzentration in der Luft heftigste allergische Reaktionen auslösen die bis hin zu Atemnot und Asthma führen können. Es heisst, es würden bereits 6 Pollen pro Kubikmeter Luft ausreichen um eine allergische Reaktion auszulösen. Von einer starken Belastung wird dann gesprochen wenn sich 11 Pollen in einem Kubikmeter Luft befinden. Im Vergleich dazu benötigt es 50 Gräserpollen pro Kubikmeter Luft um von einer starken Belastung zu besprechen. Die Blütezeit hat jetzt im Juli begonnen und dauert bis Oktober an.

Ambrosia kann leicht mit anderen Pflanzenarten verwechselt werden. In der Keimphase gleicht sie einigen Kamille-Arten und auch später gibt es Verwechslungsmöglichkeiten mit dem Gemeinen Beifuß. Die Bayer. Landesanstalt für Landwirtschaft hat ein schönes Poster online gestellt in dem die Merkmale erklärt werden: zum LfL-Poster (pdf)

Siehst du Beifuss-Ambrosien, dann reisse sie nicht heraus denn so streuen sie noch mehr Pollen. Setzte dich am Besten mit deiner Stadt-/Gemeindeverwaltung in Verbindung.

Im Jahr 2010 wurde die Herbstzeitlose zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Sie kommt bei uns auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen und Böschungen vor. Zwar erkennt man eine Herbstzeitlose sofort an der Blüte, nicht jedoch an ihren Blättern. Daher wird sie gerne mit Bärlauch verwechselt; diese Verwechslung kann jedoch tödlich enden. Erste Vergiftungserscheinungen treten erst nach 2 – 6h auf; Übelkeit, Erbrechen, blutiger Durchfall, Atemlähmung bis hin zum Kreislaufversagen. Wie beim Jakobskreuzkraut enthalten alle Teile der Pflanze giftige Alkaloide welche die Pflanze schützen sollen; hauptsächlich Colchicin. Colchicin ist ein Mitosegift das Zellen (Erbgut) verändert und Ähnlichkeiten mit Arsen aufweist. Auch diese Alkaloide sterben nicht wenn die Pflanze vertrocknet. Dadurch kann das Colchicin über das Heu ins Tier(fleisch) und die Milch gelangen. Wer die Pflanze berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

Ziegentod wie der Blaue Eisenhut auch genannt wird hat seinen Namen nicht von ungefähr. Es ist die giftigste Pflanze die in unseren Breitengraden wächst. Sie ist speziell auf feuchten, nährstoffreichen Böden wie Bachufern und feuchten Wiesen zu finden. Die ganze Pflanze ist sehr giftig und bereits eine Berührung reicht aus, damit die betroffene Körperstelle taub wird. Wird die Pflanze oder deren Wurzel (versehentlich) gegessen ist von Übelkeit über Herzrhythmusstörungen bis hin zum Erstickungstod alles möglich. Verantwortlich hierfür sind Alkaloide (Aconitin, Picroaconitin, Mesaconitin, Hypaconitin) und Alkamine (Aconin, Napellin, Neopellin, Neolin). Beim Blauen Eisenhut ist die Wurzel besonders giftig. 0,2 Gramm rufen Vergiftungserscheinungen hervor und 2 g sind tödlich. Wer die Pflanze berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

Fazit

Lass dich nicht verrückt machen! Solange du Bäume nur umarmst, deinen Namen tanzt, keine Pflanzen küsst und dir vor dem Nasebohren die Hände wäschst, können dir die „Bösen Pflanzen“ nicht viel anhaben . Allerdings sollte man bei zweien dieser Exemplare besonders auf der Hut sein: Riesenbärenklau und Beifuß-Ambrosie verstehen keinen Spass in deren Umgang da sie bereits bei Berührung oder dem Einatmen äusserst ungünstig auf den menschlichen Körper einwirken.

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3 Antworten zu Giftige Pflanzen mit denen du in Deutschland rechnen musst

  1. Pingback: CF032 – StinkendeFüsse – CacHeFreQueNz

  2. Edith Schneidet schreibt:

    Es soll eine BLUME Kopfschmerzen , Schwindel und Übergeben hervorrufen Name etwa Amrosien
    wie sieht diese Blume aus. Hatte diese Symptome vergangene Woche. Eine Antwort würde mich freuen.

    • Kocherreiter schreibt:

      Es gibt sehr viele Pflanzen die diese Symptome hervorrufen können. Aktuell blühen die Ambrosien sehr stark. Wenn du im Internet nach Ambrosia suchst, findest du viele Bilder dazu.

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